Die Werbungsphase: ungerichtete Selbstdarstellung
Interessant ist, dass sich die Selbsteinschätzung und die Bewertung durch Fremde sich dabei weitgehend decken, und dass geschlechtstypisches Aussehen und Verhalten in der Regel als attraktiv bewertet wird.
Die Selbstdarstellung von Frauen in Gegenwart von Männern ist in der ersten Phase "ungerichtet", das heisst, ihr Verhalten ist nicht auf einen bestimmten Mann gerichtet, sondern es dient der allgemeinen Erhöhung der Attraktivität. Sie zieht den Bauch ein und biegt den Rücken durch, sodass die Brüste hervorstechen; sie hält den Kopf hoch und übertreibt beim Gehen die schwingende Bewegung ihrer Hüften. Beim Gehen ist auch der Abstand zwischen den Füßen wichtig: ist der seitliche Abstand der Füße beim Gehen klein, dann vermittelt der Gang sinnliche Ausstrahlung, wird dieser Abstand größer, dass wird er als unerotisch empfunden.
Wie wird nun diese ungerichtete, aber geschlechtsspezifische Selbstdarstellung wahrgenommen? Nicht immer gleich, denn der Empfänger hat oft Entschlüsselungsprobleme, denn er kann einerseits unter Umständen bereits in diesem Stadium mit Täuschungsmanövern konfrontiert sein, andererseits kann er in einem bestimmten emotionalen Zustand sein. Abhängig davon, ob er in einem depressiven Zustand oder fröhlich ist, wird er die Selbstdarstellung anderer mit Sicherheit unterschiedlich wahrnehmen.
Aus diesen ersten, ungerichtet gesendeten und empfangenen Informationen entsteht dann jedenfalls ein erster Eindruck. Die Person wird nach Persönlichkeit, Attraktivität, sozialem Hintergrund klassifiziert und in Abhängigkeit von inneren idealen Suchbildern eingestuft, wobei eben auch zusätzlich die Darstellungsweise verarbeitet wird: Körperhaltung und -ausdruck, Kleidung und Sprechweise gehen mit in die Beurteilung ein.
Durch diese erste Einschätzung entsteht eine Art von Vorhersagbarkeit für die zukünftige Entwicklung einer Kontaktaufnahme, die sich dazu nutzen lässt, den möglichen Nutzen einer Beziehung zu der beobachteten Person zu berechnen.