Flirt Strategien und Taktik
Was Sie schon immer über Flirt, Liebe, Sex und Partnerschaft hätten wissen müssen ...


Strategien, Taktiken und Risikowahrnehmung beim Flirt

Die Wahl einer Taktik erfolgt grundsätzlich aus den zur Verfügung stehenden Alternativen. Diese Alternativen werden dann nach den Kosten, die diese Taktik verursachen, ausgewählt. Möglichst "billig" ist hier die Devise. Dabei darf man nicht aus den Augen verlieren, dass die Ziele einander entgegengesetzt sein können, und das kann beiden Interaktionspartnern (Konflikt) oder nur einem der beiden bekannt sein.

Zunächst einmal hat ein entsprechender "Spielzug" für das Gegenüber verständlich zu sein, d.h. es muss ein Repertoire verwendet werden, das von allen Mitgliedern einer Population verstanden wird, sonst wird es sinnlos, überhaupt zu spielen. Der Handelnde wird damit gezwungen, sich an ein bestimmtes Repertoire von Verhaltensweisen zu halten.

Die zweite Einschränkung liegt in der Wirkungsweise des Repertoires, d.h. es muss vorhersehbare Effekte beim Gegenüber hervorrufen. Die dritte Grundbeschränkung findet sich in einer Zeitbegrenzung: Die zur Verfügung stehende Zeit, um das Ziel zu erreichen, ist nicht unbegrenzt. Dieser Zeitfaktor setzt die Grenzen für autonomes Denken und damit auch für Täuschungsmanöver, in denen die Zielperson das Ziel des Handelnden nicht kennt. Es kann deshalb im Laufe einer Interaktion notwendig werden, das Ziel dem Gegenüber zu offenbaren.

Hier treffen wir auf weitere Zwänge: das Gegenüber wird natürlich die Handlungen des Akteurs verfolgen und wahrnehmen. Jetzt kommen die Denkzwänge der Zielperson zum Tragen. Aufgrund der vorhandenen Kausalhypothese ("Alles hat einen Grund") wird sie das Verhalten des Handelnden immer als zielgerichtet interpretieren.

Aus diesen Begrenzungen entstehen Konflikte beim Handelnden. Diese Konflikte können Umwege erzwingen und Handlungen erfordern, die den Boden für das Erreichen eines Ziels erst vorbereiten. Der Handelnde muss deshalb sein Verhalten so strukturieren, dass sein wirkliches Ziel möglichst lange im dunkeln bleibt und dass seine Absichten in seinem Sinne interpretiert werden. Die maximale Dauer dieser Vorbereitungen ist jedoch zeitlich begrenzt. Dieses Dilemma bestimmt erstens die Qualität und zweitens die Sequenzen der notwendigen Taktiken.

Betrachten wir Interaktion als "Spiel", bei dem es "gute" und "schlechte" Spielzüge gibt. Ein guter Zug wäre einer, der die weiteren Möglichkeiten zu handeln nicht einschränkt und gleichzeitig das Ziel näher bringt. "Gute Züge" lassen somit die Möglichkeiten zu einer weiteren Eskalation offen. "Schlechte Züge" hingegen schränken die Handlungsfreiheit des Handelnden ein und überlassen dem Gegner die Initiative, wenn sich der Interagierende unwiderruflich festlegt.

Eine Handlung kann direkt und unmissverständlich sein, oder die Interpretation der Absicht kann dem Gegenüber überlassen werden. Indirektes Handeln beinhaltet damit mehr Eskalationsmöglichkeiten als direktes. Es bringt aber auch weitere Vorteile - es erlaubt dem Handelnden, Informationen darüber zu sammeln, inwieweit der Handlungspartner auf die Vorschläge des Handelnden eingehen wird. Umwege sind deshalb auch Strategien der langsamen Informationsanreicherung über den Partner. Ist eine Handlung ultimativ, dann überlässt sie die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung dem Gegenüber.

Beim Flirt muss das eigene Verhalten auf das Verhalten einer anderen Person abgestimmt werden. Wenn man das Ziel öffentlich verkündet und seine Absichten darstellt, dann versucht man die Kooperation des Partners zu erzwingen. Ein Ultimatum ist deshalb nicht ratsam. Indirektheit oder Zweideutigkeit dagegen erlaubt es, die Taktiken stark zu variieren, und lässt Rückzugsmöglichkeiten offen.

Da man nicht ankündigen muss, dass man flirtet, muss man den Zweck oder das Ziel nicht direkt verfolgen. Man kann Umwege bauen. Indirektheit und Zweideutigkeit sind also die Grundlage des Flirts. Wenn die Absichten klar sind, ist der Flirt vorbei. Aber der Spaß beginnt - vielleicht.

Ein guter Spielzug zeichnet sich dadurch aus, dass er die eigene Handlungsfreiheit auf Kosten der des Partners erhöht, bis der Partner keine andere Möglichkeit mehr sieht, als sich den Zielvorstellungen des Handelnden anzupassen. Ein guter Spielzug ist demnach einer, der den Partner in Zugzwang bringt und gleichzeitig die eigene Handlungsfreiheit nicht einengt, jedoch die des Partners begrenzt, so dass diesem nur wenige Züge übrig bleiben.

Die genaue Auswahl der anzuwendenden Schritte hängt vom Risiko ab, das in erster Linie in der Gefahr besteht, ein Ziel nicht zu erreichen. Flirt ist also deshalb zweideutig, weil er Umwege erfordert, um einem hohen Risiko zu begegnen.

Risiko in der Annäherung an eine fremde Person entsteht aus:

a. dem Zeitdruck, unter dem das Ziel erreicht werden muss
b. dem verfolgten Ziel
- mit den Kosten, die er für den Partner verursacht (Zumutung)
- mit der Erwartung des eigenen Kosten-Nutzen Verhältnisses
- mit der gesellschaftlichen Akzeptanz eines Verhaltens

Männliche Risikowahrnehmung wird durch möglichen Wettbewerb unter Männern bestimmt. Männer können demnach häufiger unter Zeitdruck stehen und eher dazu tendieren, ihr Gesicht wahren zu wollen.

Risikoabschätzungen durch die Frau dagegen werden in erster Linie durch ihr hohes Investment in den Nachwuchs geprägt. Frauen haben durch dieses höhere Investment auch ein größeres Risiko und stellen daher auch die höheren Ansprüche. Sie müssen aktiv wählen und Annäherungen auslösen. Das Risiko der Frauen wird lediglich durch die Fähigkeiten des Mannes zum Investment und seine Bereitschaft, dieses Investment zu leisten, beeinflusst. Dabei spielt für das Risiko der Frau das Verhalten des Mannes die Hauptrolle, nämlich seine Investmentbereitschaft und seine Tendenzen, sie lediglich auszunutzen.

Es gibt also geschlechtsspezifische Flirtstrategien, die alle die Risikowahrnehmung des Partners zu manipulieren versuchen. Diese Manipulationen können aber nur auf dem Hintergrund von vorhandenen "Prototypen" und dem eigenen "Partnermarktwert" geschehen. Attraktivität und sozialer Status im Vergleich mit allen anderen Personen einer Population bzw. Gesellschaft können festlegen, wieviel Risiko eine Person begegnen kann. Wenn jemand einen Partner sucht und dabei das Risiko der Nicht-Akzeptanz verkleinern will, wird er sich einen Partner von exakt dem Wert suchen, dem er selbst mit seinem eigenen Partnermarktwert begegnen kann. Die häufige Folge ist deshalb die Gleichheit in Paaren.

Beim Prozess der Entscheidungsfindung bei der Partnerwahl gibt es Filterprozesse, durch die zuerst die ungeeigneten Partner aus einer möglichen Auswahl entfernt werden. Für Männer sind solche Prozesse relativ einfach, wenn sie (wie meistens) nur auf Attraktivität hin wählen. Für Frauen dagegen sind solche Entscheidungsfindungen komplizierter, da sich Versorgerqualitäten oder Bindungsqualitäten gegenseitig aufwiegen können.

Die Höhe des Risikos wird jedoch durch das individuelle Ziel der Partnerwebung verändert: Nur einen Partner für eine Nacht zu finden oder einen Ehepartner, sei es durch eine Partnervermittlung oder in der freien Wildbahn, auszuwählen macht schon einen Unterschied.

Ein weiterer Faktor for die Risikohöhe ist die Selbstwertschätzung. So suchen sich Männer mit hoher Selbstwertschätzung mit größerer Wahrscheinlichkeit attraktivere Frauen als Männer, die sich selbst gering einschätzen. Männer mit geringerem Risiko können auch direkter sein, d.h. sie werden eher bereit sein, Sprache als Mittel einzusetzen. Dagegen ist hohe Indirektheit bei hohem Risiko erfolgversprechendes Umwegverhalten.

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