Grundlagen der Kommunikation beim Flirt
Wie entziffert man nun die nicht-sprachlichen Signale? Diese nonverbalen Signale sind ja in einen andauernden, kontinuierlichen Verhaltensstrom eingebettet und müssen deshalb auch erst als Signale erkannt werden.
Abgesehen davon, dass man beim Senden von Signalen selber Fehler machen kann, gibt es auch Fehlerquellen auf dem Übertragungsweg. Für dieses "Rauschen" gibt es drei Ursachen: erstens eine Abschwächung und Dämpfung des Signals in Raum und Zeit, zweitens mit dem Signal im Wettbewerb stehende andere Signale, drittens Empfänger, die darauf selektiert wurden, auf Täuschung zu achten.
Das Problem der Dämpfung kann man leicht lösen, indem man einen Kontrast bildet. Kontraste erregen Aufmerksamkeit. Zusätzlich kann man ein Signal öfter wiederholen, und zwar so lange, bis es verstanden wird. Beispiele für Flirtsignale sind das "schnelle Heben der Augenbrauen", das Lächeln und das laute Lachen.
Am Beginn des Lächelns gibt es einen Punkt, an dem die Änderungen im Gesichtsausdruck zunächst sehr stark zunehmen, es entsteht sehr viel schnelle Bewegung. Diese Änderungen hören abrupt auf - das ganze Gesicht scheint eine Weile ruhig gehalten zu werden.
Dieses Prinzip einer schnellen Veränderung im Signal, gefolgt von einem Stillhalten über eine gewisse Zeit und einem langsamen Abklingen ist tatsächlich ein generelles Konstruktionsprinzip, das die Form eines Signals auszeichnet. Das gleiche Prinzip kommt auch beim "schnellen Brauenheben" zur Anwendung.
Ein weiteres Merkmal für den Rahmen in dem ein Signal gesendet wird, ist die Kontrastbetonung. Das Kontrastprinzip wird insbesondere beim schnellen Brauenheben leicht erkennbar. In den meisten Fällen hat das Gesicht des Senders zunächst einen abwartenden oder gar ablehnenden Ausdruck.
Kontrasterzeugung ist also eines der Mittel, die ein Signal als solches deutlich macht und aus dem Rauschen hervorhebt. Aber nicht nur das Vorhandensein von bestimmten Bewegungen, sondern auch deren Abwesenheit tragen zur Signalinterpretation bei. Der Vordergrund des Signals (d.h. seine Bewegungsformen) und sein Hintergrund (d.h. das Fehlen von Bewegungen) machen zusammen das Signal.
Verhalten ist Bewegung - sich bewegen bedeutet damit auch signalisieren. Der Trick ist nun, sich nicht zu bewegen; damit gewinnt jede, auch die kleinste Bewegung Signalcharakter. Und dadurch kann der Kontrast zwischen Stille und Veränderung benutzt werden, um mit dem gleichen Aufwand besser lesbare und deutlichere Signale zu senden.
Viele menschliche Signale haben lediglich die Funktion, durch schnelle Kontrastveränderungen die Aufmerksamkeit unserer Interaktionspartner auf uns zu ziehen und zu binden. Die schnellen Bewegungen des Kopfes zurück, oder das Heben der Arme über den Kopf sind solche Signale. Durch diesen Trick wird Aufmerksamkeit gebunden und z.B. auf die Darstellung der weiblichen Brust gelenkt. Nicht alle Signale müssen daher auch eine Bedeutung besitzen.
Das laute Lachen bringt auch dieses Prinzip der Kontrastveränderung zur Anwendung. Wenn Frauen mit Frauen oder Männer mit Männern zusammen sind, lachen sie häufiger, als wenn eine Frau mit einem Mann zusammen ist, den sie nicht kennt. Sie bewegt sich dann insgesamt auch seltener. Je höher ihr Interesse am Mann ist, um so mehr bewegt sie sich dann zum Zeitpunkt des Lachens. Sobald also das Risiko in so einer Situation groß ist und zusätzlich das Problem dazu kommt, missverstanden zu werden, wird der Kontrasteffekt eingesetzt.
Prinzipiell eignet sich jedes Signal, das genügend Kontrast erzeugt, auch als Flirtsignal. Es muss lediglich Aufmerksamkeit erregen und diese auf die richtigen Körperstellen lenken.
Signale werden auch ritualisiert - so ist beispielsweise bei Frauen eine zunehmende Gleichförmigkeit beim Lachen erkennbar, und zwar bei zunehmendem Interesse der Frau: je höher ihr Interesse am Mann ist, um so stereotyper wird das Lachen. Das heisst also, "je gefährlicher" die Situation für die Frau wird, um so stärker ritualisiert sie ihr Lachverhalten.
Noch einmal auf den Punkt gebracht: Wenn ein Signal gesendet wird, dann muss zuerst die Aufmerksamkeit des Partners gebunden werden. Es erfolgt deshalb meist eine schnelle Kontrastveränderung im Sehfeld des Empfängers durch Bewegung. Solche Bewegungssignale können vom schnellen Augenbraunheben bis zum Haare-zurückwerfen reichen - darauf werden dann Botschaften gesendet.
Die "äußere Botschaft" wird von Signalen übertragen, die Information darüber enthalten, wie ein bestimmtes Signal entschlüsselt werden soll. Signale, die die Entschlüsselungsanleitung enthalten, nennt man Triggersignale.
Eine erste mögliche Informationsquelle über einen Fremden, die als Triggersignale Verwendung finden können, ist: Wer ist mein Interaktionspartner? Welche Beziehung könnte ich zu ihm haben?
Das Alter einer Person spielt hier mit die Hauptrolle, denn die zeugungsfähigen Phasen des Menschen sind an sein Alter gebunden. Das Alter legt somit auch die Zielpersonen einer Annäherung und des Flirts fest.
Natürlich ist auch die Frage des Geschlechts der anderen Person zentral. Dabei wird zusätzlich vom Beobachter aus dem Verhalten des anderen die Geschlechtsrollenidentifikation herausgefiltert. Dazu dienen bei Männern die Stimme und bei Frauen der Körper. Der Körper spielt für die Darstellung der Männlichkeit eine geringere Rolle als der Körper einer Frau bei der Darstellung von Weiblichkeit, was sich nicht nur dem Betrachter von erotischen Bildern von nude girls leicht erschliesst.
Der Ausdruck von Emotionen im nicht-sprachlichen Verhalten ist auch ein Triggersignal. Emotionen spielen eine Hauptrolle in Interaktionen: Ihre Darstellung manipuliert andere Personen, ohne dass diese viel dagegen unternehmen können.
Für die Dauer der Darstellung von gefühlten Emotionen gibt es Grenzen: Der Ausdruck von echte Emotionen dauert nicht länger als 1-3 Sekunden. Längere Darstellungen von Gesichtsausdrücken sind eher vorgespielt. Emotionen kommen in verschiedenen Intensitäten vor, und wenn die Erregung nur sehr gering ist, kann der emotionale Ausdruck völlig unterdrückt werden. Das bedeutet aber auch, dass emotionaler Ausdruck in überzeugender Weise auch simuliert werden kann.
Grundemotionen sind Überraschung, Angst, Freude, Trauer, Ekel, Ärger und Verachtung. Interessanterweise wird die Traurigkeit am schnellsten erkannt, gefolgt von der Darstellung des Glücks, der Überraschung und der Wut. Die Mundregion ist dabei ausschlaggebend für das Erkennen der Emotion.
Interessant an diesen Grundemotionen ist, dass sie eine automatisierte Wirkung auf den Betrachter besitzen. Zeigt man Personen Bilder mit den Grundemotionen oder lässt man Personen diese Grundemotionen nachspielen, dann stellt sich bei ihnen der gleiche Gefühlszustand ein. Dieser Zustand ist untrennbar mit körperlichen Reaktionen verbunden (z.B. Herzschlag, Muskelanspannungen, Fingertemperatur) - und diese physiologischen Veränderungen im Empfänger des Signals wirken sogar dann auf ihn, wenn er es gar nicht will.
Der Gesichtsausdruck ist der Träger der Emotion, wenngleich es sogar möglich ist Emotionen bis zu einem gewissen Grad aus den Gehstil einer Person abzuleiten. Der Gesichtsausdruck von Politikern im Fernsehen führt unwillkürlich zu physiologischen Reaktionen beim Betrachter - durch die Darstellung von Emotionen in Medien werden wir manipuliert, und durch diese Darstellungen können auch politische Wahlen entschieden werden.
Emotionen sind äußerst wirksame Triggersignale, weshalb ihre Darstellung letztlich durch Regeln begrenzt werden müssen. Der Vorteil der Darstellung des eigenen physiologischen Zustandes vor anderen ist jedenfalls die Manipulation des Zustandes beim Empfänger. Darüberhinaus zeigen Emotionen Verhaltensabsichten an, die dem Empfänger signalisieren, was man als nächstes tun wird.
Um zu unterscheiden, ob ein Gegenüber nun vielleicht dominant über mich sein könnte oder ob er mir unterlegen ist, werden auch Triggersignale herangezogen. Auch soziale Dominanz wird hauptsächlich über nicht-sprachliche Kommunikation weitergegeben.
In erster Linie sind es die Augenbrauen und die Bewegungen des Mundes, die die Darstellung von Dominanz und Unterwerfung übernehmen. Nach unten gezogene Brauen werden typischerweise von dominanten oder drohenden Individuen gezeigt, gehobene Brauen dagegen durch submissive Individuen. Lächeln wird auch den submissiven Gesten zugeordnet.
Die Darstellung von Freundlichkeit und Dominanz ist also auch an mimische Ereignisse gebunden. Diese Signale erlauben dem Empfänger auch eine Vorhersage über mögliche Verhaltenstendenzen des Senders.
Auch als Außenstehender kann man bei einem Konflikt zwischen zwei Personen alleine anhand des Gesichtsausdrucks der beiden vorhersagen, wie der Konflikt ausgehen wird. Beim "Droh-, Plus- oder Gewinner-Gesicht" sind die Brauen gehoben, ebenso der Kopf, desgleichen das Kinn, und der Blick ist direkt auf den Partner ausgerichtet. Der Oberkörper wird gestreckt gehalten und der Hals aufrecht. Dagegen sind beim "Minus- oder Verlierer-Gesicht" die Brauen leicht gefurcht und nach unten gezogen, die Augen werden niedergeschlagen, Blickkontakt wird vermieden, der Kopf gesenkt, und die Mundwinkel werden nach unten oder nach hinten gezogen. Der Hals kann dabei nach vorne gebeugt sein, oder der Kopf wird zwischen die Schultern gezogen.
Die Entscheidung "überlegen-unterlegen" hängt aber auch von der Wahrnehmung des Alters der Personen ab, denn Dominanzbeziehungen sind typischerweise altersbezogen.
Genau so wichtig wie Signale der Dominanz sind solche die entweder Dominanzverzicht oder Unterwerfung anzeigen. Eines der Signale des Dominanzverzichts ist das Zeigen von Ambivalenz, d.h. Zuwendung und Abwendung vom Interaktionspartner wechseln einander ab. Interaktionen zwischen Fremden lassen diese Ambivalenz aus Blickvermeidung und Blickkontakt besonders deutlich erkennen.
Submissive Körperhaltungen können tatsächlich tätliche Angriffe blockieren. Beispiele solchen Verhaltens sind die Imitation weiblichen und kindlichen Verhaltens, der Einsatz sexueller Signale oder auch nur das Kopf-Schräghalten. Signale der Unterwerfung arbeiten meist mit einer Winkelkonfiguration als Grundprinzip. Entweder wird der Kopf schräg gehalten und gesenkt, oder der Körper selbst wird abgewinkelt. Das Triggersignal in diesem Fall ist einfach "Abwinkeln" aus der senkrechten Körperlinie. Das bedeutet umgekehrt, dass man am Maß der Verwinkelung eines Körpers dessen Verhaltenstendenzen ablesen kann.
Signale haben also eine Bedeutung, und da das so ist, werden diese Signale als Werkteug eingesetzt. Das bedeutet, dass es kein genau abgegrenztes Flirtrepertoire gibt - denn jedes Verhalten kann als Werkzeug auftreten, sobald es den gewünschten Erfolg verspricht.