Schönheit und erotische Ausstrahlung
Bei den Partnerwünschen haben wir gesehen, dass die Attraktivität der Frau für Männer ganz wesentlich ist. Das in der jüngeren Vergangenheit feststellbare hauptsächlich männliche Interesse an Pornographie und erotischen Bildern , wird heute zunehmend durch ähnliches Interesse von Frauen an stimulierenden Nacktbildern und Pornos in Frage gestellt. Das Kriterium der Attraktivität und der erotischen Ausstrahlung ist vermutlich für beide Geschlechter wichtig, wenngleich es bei den Frauen in der Vergangenheit durch soziale Zwänge und ungleiche Ressourcenverteilung unterdrückt war, bzw. eine geringere Rolle gespielt hat. Das ändert sich jedoch zunehmend, wie eben auch die steigenden Zugriffszahlen von Frauen auf Sex Fotos und Porno Videos im Internet zeigen.
Um seinen eigenen Partnermarktwert zu kennen, den der Partndesuchende für eine Suche zu taxieren hat, muss er seine Einschätzung durch andere kennen. Und das ist nur möglich, wenn es innerhalb einer Population/Kultur einen von allen Mitgliedern geteilten Attraktivitätsstandard gibt. Und so gibt es tatsächlich bei Männern eine hohe Übereinstimmung bei der Beurteilung von Frauen, ähnlich ist es auch umgekehrt. Männer und Frauen verwenden bei der Beurteilung von Schönheit, sexueller Anziehung und Sympathie jeweils die gleichen Standards. Diejenigen Personen, die als attraktiv beurteilt werden, sind auch diejenigen, die als schön und sexuell attraktiv gelten. Wer sehr schön ist (attraktiv, sexy), gilt auch als sympathisch, und wer dagegen hässlich, unattraktiv, sexuell nicht anziehend empfunden wird, ist unsympathisch.
Von attraktiven Menschen wird angenommen, dass sie schneller akzeptablere Partner finden würden als für unattraktiv gehaltene Leute. Sie werden auch "glamourisiert", das heisst, man schreibt schönen Personen positive Eigenschaften zu, auch wenn die Charaktereigenschaften oder das Verhalten dieser Personen in der Realität ganz anders sein können. Mit anderen Worten, negatives Verhalten attraktiver Personen wird eher toleriert, wenngleich es aber auch einen deutlichen Eifersuchtseffekt gibt.
Neben der eigenen Attraktivität wird aber auch noch die vorhergehende Erfahrung in Beurteilungen mitverrechnet ("Kontrasteffekt"): Die Beurteilung der Attraktivität hängt davon ab, wie attraktiv die Person war, dem der Beurteiler unmittelbar vorher ausgesetzt war. Unser erster Eindruck von potentiellen Partnern kann negativ beeinflusst werden, wenn wir kurz zuvor entweder Fotos, Magazine, Fernsehsendungen oder Filme betrachtet haben, in denen hochattraktive Individuen abgebildet waren. Wenn deshalb jemand dauernd optimalen Reizen ausgesetzt ist, könnte er unter Umständen unrealistisch hohe Standards für Schönheit entwickeln. Die dauernde Berieselung durch Schönheit in den Medien kann damit letztlich auch für hohe Partneransprüche von Singles verantwortlich sein - die Versingelung unserer Gesellschaft als Medieneffekt. Wer sich ständig Videos von Topmodels oder Photos von freizügigen Girls reinzieht, dessen Erwartungshaltung bei der Partnersuche kann tatsächlich durch die Lernvorgänge mit diesen attraktiven Stimuli unrealistisch verzerrt sein.
Der erste Eindruck, den von einer Person erhält, ergibt jedenfalls einen Bonus oder Malus für die Beurteilung. Man steht attraktiven Personen aufgeschlossener gegenüber, was aber nur für Personen des anderen Geschlechts gilt, bei Personen des eigenen Geschlechts ist es eher umgekehrt. Je attraktiver ein Mann ist, um so häufiger hat er Kontakte mit Frauen aber auch weniger Kontakte mit Männern. Für Frauen gilt das nicht, ihre Attraktivität steht in keinem Zusammenhang mit der Anzahl ihrer Sozialkontakte.
Warum ist die Häufigkeit der Interaktionen bei Frauen nicht an deren Attraktivität gebunden? Im Gegensatz zu attraktiven Männern sind attraktive Frauen weniger selbstsicher. Attraktive Männer haben weniger Angst vor Frauen und nähern sich deshalb diesen viel bereitwilliger. Bei Frauen wirkt Attraktivität eher hemmend, weil sich Männer verunsichert fühlen. Dennoch erlauben Männer attraktiven Frauen eher, Macht und soziale Kontrolle über sie auszuüben, als unattraktiven Frauen.
Attraktiv empfundene Frauen haben jedoch im Umgang mit ihren Geschlechtsgenossinen Vorteile, so funktioniert der Aufbau von Dominanzhierarchien von Mädchen und Frauen untereinander häufig über ein kultiviertes Erscheinungsbild. Der soziale Erfolg von Mädchen wird durch ihr äußeres Erscheinungsbild stärker beeinflusst als durch andere Fähigkeiten. Hier wird Schönheit zur Macht über andere.
Was aber ist nun Schönheit? Schönheit hat etwas mit einem typischen Durchschnittsaussehen zu tun, aber gleichzeitig auch mit eher seltenen Einzelmerkmalen. Einerseits vermeidet man Extreme, andererseits werden Menschen mit seltenen Merkmalen ("blonde Haare") als attraktive Partner angesehen. Typische "anziehende" Merkmale sind 1. Jugendmerkmale wie Schlankheit, Bartlosigkeit, große (weiter auseinanderstehende) Augen und große Pupillen, weibliche (kleine und gerade) Stupsnase, aber auch 2. Erwachsenenmerkmale wie etwa hervortretende Backenknochen und schmale/eingefallene Wangen oder 3. Merkmale des Ausdrucks, wie z.B. hochgezogene Augenbrauen oder ein Lächeln und 4. Merkmale der Stimme (Menschen können verlässlich Stimmen unterscheiden und beurteilen übereinstimmend deren Attraktivität). Das was man sagt (der Inhalt), ist bei der Beurteilung von Attraktivität unwichtig, wie man etwas sagt (also die Stimme) dagegen sehr.
Bei Männern ist ein "Durchschnittsgesicht" eher nicht attraktiv, sie müssen Extremmerkmale (Kriterien der Individualität und sozialer Dominanz) besitzen, um für Frauen attraktiv zu sein. Ein breites Kinn zeichnet etwa den attraktiven Mann aus. Frauen dagegen werden eher als schön beurteilt, wenn sie keine extremen Merkmale aufweisen, also ein typisches weibliches "Durchschnittsgesicht" haben.
Frauen finden den Hintern des Mannes sexuell erregend und erotisch attraktiv, breite Schultern und eine muskelbepackte Brust (V-Form) wird nur dann von Frauen bevorzugt, wenn auch ein kleiner Hintern dazukommt. Generell achten Frauen bei Männern jedoch mehr auf das Gesicht.
Geschlechtsrollenidentifikation schlägt sich eindeutig auf die Attraktivität durch. Männer, die enge Kleidung tragen und natürliche Bewegungsabläufe haben, werden als männlich and attraktiver bewertet. Frauen, die gut gekleidet sind, etwas geschminkt sind und anmutige Körperbewegungen zeigen, werden als weiblich und damit attraktiver eingestuft.
Eine Frau, die ihren Körper bewusst als Signal einsetzt (etwa durch sexy Kleidung), signalisiert sexuelle Erreichbarkeit für andere. Sie können aber auch leicht übers Ziel schießen, denn ein Zuviel signalisiert Erreichbarkeit für alle und führt damit zwangsläufig zu sexueller Eifersucht. Tatsache ist jedenfalls, dass Frauen, die optimale Signale zeigen unter Männern Wettbewerb hervorrufen. Männer wollen Wettbewerb aber eher vermeiden, deshalb ist ein Zuviel eben zu viel. Für einen One-Night-Stand ist ein Feuerwerk aus erotischen Signalen mit viel Haut sicher geeignet, für die Suche nach einer längerfristigen Beziehung jedoch nicht.