Manipulation beim Flirt und in der Werbung
Die Signale die wir bei der Partnersuche einsetzen (z.B. Körperform, Schmuck und Triggersignale) sind manipulierbar und deshalb Werkzeuge bei der Partnersuche. Darüber hinaus werden beim flirten je nach Anspruch des potentiellen Partners geschlechtspezifisch bestimmte Themen angesprochen, wobei auch diese Themen zu "Betrugsmöglichkeiten" werden. Denn nur an dieser Stelle lassen sich schnell und sicher "Gewinne" machen. Ein instrumenteller Einsatz von Verhaltensweisen wird so möglich, mit deren Hilfe vorhersagbare Verhaltensänderungen beim Partner hervorgerufen werden können. Die beiden klassischen Grundtypen von Täuschungsmanövern sind erstens das Versorgen des anderen mit Falschinformationen und zweitens das Zurückhalten von Informationen. Diese Täuschungsmanöver sind Strategien, die sich im Wettbewerb der Individuen auszahlen.
In Flirtsituationen in denen Täuschungen vorkommen können, ist die logische Konsequenz, dass der Empfänger von Signalen bzw. Informationen misstrauisch ist. Derjenige, der Täuschungen besser entlarven kann, hat einen Vorteil gegenüber Mitbewerbern. Jedenfalls gibt es drei Bedingungen für erfolgreiche Täuschungen: 1. Sie müssen selten sein, 2. Täuschung darf dem Empfänger keine zu großen Kosten verursachen, und 3. Das echte Signal, das als Täuschung gesendet wird, muss sehr wichtig sein bzw. für den Empfänger hohen Nutzen haben. Der Empfänger kann ein solches Signal nicht immer ignorieren, da der Nutzen aus dem Signal, wenn es ernst gemeint ist, sehr hoch sein kann. Dem mit hohen "Kosten" signalisierenden Sender stehen eher unbeteiligte Empfänger gegenüber, die den Sender nun wegen der Wichtigkeit der Signale testen müssen.
Die Täuschungsmanöver der Männer sind an Ressourcen und emotionale Hingabe, wie zum Beispiel Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit, gebunden; denn das sind Partnermerkmale, nach denen Frauen suchen. Die typischen Täuschungsmanöver der Frauen sind dagegen meist das Hervorheben ihrer körperlichen Attraktivität. Getäuscht werden jedoch nicht nur potentielle Partner, sondern auch die gleichgeschlechtlichen Mitbewerber. Jedenfalls sind Männer wie Frauen bemüht zu zeigen, dass sie mehr von dem besitzen, was ein potentieller Partner von ihnen haben will. Männer heben Frauen gegenüber ihre Ernstheit, Vertrauenswürdigkeit und Freundlichkeit, Dominanz und Zugang zu Ressourcen hervor, während Frauen Männern gegenüber die Attraktivität ihrer körperlichen Erscheinung hervorheben, was selbst bei der Nutzung einer Singlebörse durch die Präsentation von sexy Photos geschieht.
Ein System von brauchbaren, direkt einsetzbaren und wirksamen Triggersignalen führt neben der kommerziellen Ausbeutung (z.B. in der Werbung) natürlich auch zur Ausbeutung durch die Sender. Flirt kann ein Mittel zum Zweck sein. Wenn sexuelle Signale einen Erfolg versprechen, werden sie auch außerhalb des sexuellen Bereichs genutzt.
Bei Täuschungen besteht jedoch immer die Möglichkeit, dass die Lüge aufgedeckt wird. Der Grund für die häufige Entlarfung von Lügnern besteht mit darin, dass es beim Ablauf von Täuschungsmanövern häufig dazu kommt, dass die Anzahl der Illustrationen, d.h. der sprachbegleitenden Hand- und Armbewegungen, abnimmt. Das kommt dadurch zustande, dass das gefühlsmäßige Investment bei Täuschungsmanövern fehlt oder unterdrückt werden muss. Gewöhnlich nimmt die Körpersprache der Menschen ab, wenn sie nicht engagiert, traurig, gelangweilt oder einfach uninteressiert sind. Die Sprache und der Gesichtsausdruck lassen sich leichter kontrollieren als etwa die Arme oder der restliche Körper. Im Gesicht zeichnet sich jedoch ein unechtes Lächeln etwa durch ein abruptes Erscheinen oder Verschwinden aus.
Am häufigsten werden Lügner am Übertreiben erkannt - die falsche Aussage wird stärker betont, als wenn es keine Lüge wäre. Weitere Hinweise, die die Lüge verraten, sind die Flüssigkeit der Sprache ("Stocken"), die Häufigkeit von "Ähs" und "Hms" und die Sprechgeschwindigkeit.
Wer versucht einen anderen zu täuschen, hat aber große Chancen, damit unerkannt durchzukommen, falls zum Beispiel der ‚Empfänger von der Lüge einen Vorteil hat. Dieser Nutzen verkleinert das Schuldgefühl des Lügners und bringt den Empfänger dazu, eventuelle Anzeichen einer Lüge zu ignorieren. Vorgespielte Emotionen sind jedoch leicht zu erkennen. Deshalb werden Täuschungsmanöver auch schwierig, wenn sich Sender und Empfänger kennen. Wenn sich dagegen Fremde treffen, ist höchstwahrscheinlich mit Täuschungen zu rechnen.