Die Anatomie des Flirts - Wahrnehmungsphase
Auf dem Weg zum Flirt werden jedoch viele Störfaktoren wirksam. Damit Flirts also erfolgreich sein können, muss es also "Attraktoren" geben, die letztlich die Interaktionen immer wieder zum selben Thema zurückführen. Da der Flirt das Prinzip der Zweideutigkeit benutzt, sind diese Attraktoren dem Repertoire der Triggersignale entnommen.
Während in den ersten Phasen Selbstdarstellung und Signalisieren der Partnerqualitäten vorkommen, zeichnet sich die dann folgende Wahrnehmungsphase durch Unsicherheit und Ambivalenz aus. Dazwischen liegen, wie vereinzelte Lichtpunkte, deutliche, oft sexuell betonte Signale, die die Aufmerksamkeit des Partners auf bestimmte Körperregionen lenken. Der Vorteil dieses Vorgehens liegt darin, dass solche Signale ohne weiteres widerrufen werden können.
Die Wahrnehmungsphase ist jedenfalls einer der kritischsten Punkte im Werbeverhalten, denn hier handelt es sich um eine echte Entscheidungsphase. Wenn also eine Fau auf einen werbenden Mann aufmerksam wird, dann wird sie seine Aktivitäten verstärken oder abblocken – mit anderen Worten: Bei einer Erstbegegnung kommt es zum Aufforderungsverhalten oder zur Ablehnung.
Am Anfang steht der Blick, der eine ganze Situation umfasst und nirgendwo hängen bleibt, während der folgende "kurze Blick" bereits als Aufforderungsverhalten verstanden werden kann. Die Frau blickt dabei den Mann ganz kurz an und wendet die Augen dann sehr schnell wieder ab. Da bei kann es auch zu einem schnellen Heben der Augenbrauenten kommen (eine Art "Ausrufungszeichen" mit der Bedeutung: "Pass auf, was ich jetzt mache ist wichtig!").
Ein anderes sehr häufig auftretendes Muster ist der "head toss": Diese Bewegung beginnt mit einer schnellen Aufwärtsbewegung des Kopfes nach hinten, so dass das Gesicht nach oben schaut. Die Bewegung dauert kürzer als fünf Sekunden. Danach wird der Kopf wieder in seine Ausgangslage zurückgeführt. Häufig ist auch der "hair-flip", bei dem die Frau eine Hand hebt und mit den Fingern durch ihr Hahr fährt.
Dazu kann eine seitwärts abgewinkelte Kopfhaltung in einem Winkel von ca. 45 Grad kommen, wobei die offene Halsseite dem Betrachter zugewendet wird. Ein weiteres Aufforderungsverhalten kann das Präsentieren der Handflächen sein. Dabei werden die Handflächen kurz in Blickrichtung des Beobachters nach oben gedreht. Ein anderes automanipulatives Muster ist das Richten der Kleider bzw. das Glätten. Eindeutiger ist dagegen das Anheben des Rocksaums, sodass mehr Bein zu sehen ist.
Interesse kann aber auch durch so einfache und unverfängliche Verhaltensweisen wie die Aufnahme von Nähe kommuniziert werden. Tritt eine Frau einfach in die Nähe eines fremden Mannes, dann beschleunigt sich alleine dadurch bereits sein Herzschlag.
Die Funktion dieser Verhaltensweisen ist, dass sie möglichst unverfänglich, aber doch eindeutig Interesse mitteilen sollen. Diese schwierige Aufgabe kann nur durch den Einsatz von sexuellen Triggersignalen gelöst werden, da nun die ersten wirklichen Entscheidungen mit ihren Konsequenzen notwendig werden. An diesem Punkt muss sich der/die Werbende auf ein hohes Risiko (nämlich Ablehnung) einlassen.
Interesse am anderen muss gezeigt werden. Eskalation ist aber nur möglich, wenn letztlich beide Interesse besitzen. Werbeverhalten muss also, wenn es erfolgreich sein soll, auf Gegenseitigkeit beruhen.
Dennoch muss immer derjenige den Flirt beginnen, der das geringere Interesse hat, damit es zum Flirt kommen kann. Wenn also die Frau (etwa durch Blickkontakt) die Interaktion beginnt, kommt es mit großer Wahrscheinlichkeit zum Flirt. Blickinitiative kann aber nur eine Vorinformation für den Mann sein. Aber alleine das Interesse der Frau kann einen Flirt in Gang bringen.
Personen mit geringer Selbsteinschätzung sind im allgemeinen viel eher offen für Annäherung, wenn sie erkennen, dass die Annäherung aus freien Stücken angeboten wird. Es ist jedoch oft schwierig für sie zu erkennen, ob überhaupt Annäherung und Angebote vorliegen. Das Risiko, von einer attraktiven Frau zurückgewiesen zu werden, gehen nur Männer mit einer genügend hohen Selbsteinschätzung ein.
Nur wenn der Partner mit dem höheren Interesse den Flirt beginnt, kann etwas daraus werden. Männer müssen also alles daransetzen, das Interesse der Frau zu erkunden. Dieser Interessenskonflikt führt letztlich dazu, dass die Frau automatisch zum Initiator des Flirts wird. Der Mann kann also nur Signale senden und aus den Reaktionen das Interesse der Frau erkunden. Wenn sie Interesse hat, dann wird sie den Flirt beginnen.